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Fünf Fragen an: Autorin Claudia Winter

Im Rahmen der lit.Love 2017 im November bekamen Corinna und ich die Gelegenheit, uns ausführlich mit Claudia Winter über ihre Bücher zu unterhalten.

Gleich vorab: Die Liebesszene aus Claudias Buch „Glückssterne“ ist mit Abstand die beste Liebesszene, die ich dieses Jahr gelesen habe. Ich habe die Autorin erst im Rahmen der Vorbereitung auf die lit.Love für mich entdeckt, war aber sofort begeistert von ihrer unglaublich bildlichen Sprache.

 

Gestern ist ihr neues Buch „Die Wolkenfischerin“ erschienen und liegt natürlich schon ganz oben auf meinem Bücherstapel. Aber zuerst lassen wir erst einmal die Autorin zu Wort kommen.

  1. Stell dir vor, wir beide fahren zusammen im Fahrstuhl. Ich drehe mich zu dir um und sage: „Hallo, ich heiße Jeannette. Wer bist du und was machst du beruflich?“ Mit welchem 30-sekündigen Elevator Pitch würdest du dich mir vorstellen?

„Hi, ich bin Claudia, du siehst ziemlich nett aus. Wusstest du, dass ich Bücher schreibe? Vielleicht hättest du ja mal Lust, mich nach Italien, nach Schottland oder in die Bretagne zu begleiten?“

 

  1. Dein letztes Buch, „Glückssterne“, spielt in Schottland. Das Buch davor spielt in Italien und dein nächstes in Frankreich. Was kommt beim Schreiben für dich zuerst – die Geschichte, die Figuren oder das Setting?

Normalerweise ist es so, dass ich mich mit meiner Lektorin erst mal darüber verständige, was wir für einen Ort wählen. Jedes meiner Bücher soll in einem anderen Land oder in einer anderen Gegend eines Landes spielen. Wenn der Ort dann für uns feststeht, legen wir oftmals noch ein Genussthema dazu fest, denn das gehört zu meinen Büchern auf jeden Fall immer mit dazu. Und dann geht’s eigentlich schon direkt in die Figuren, und die Figuren sind letztendlich am Schluss so gut ausgearbeitet, dass sie die Geschichte erzählen. Es gibt eine Grundidee der Geschichte, das ist ganz klar, hilfreich ist es natürlich, wenn man dafür schon eine Figur hat, aber ja, die Geschichten werden auf die Figuren zugeschnitten, das kann man schon so sagen.

Und mit „Genussthema“ meinst du zum Beispiel, dass dein Protagonist Konditor ist?

Genau, das Genussthema an sich ergibt sich oftmals schon durch die spezifische Landesküche. Ich versuche schon, diesen Roman rund zu machen, indem ich eben Spezialitäten aus dem jeweiligen Land verrate. Im Fall von „Glückssterne“ hatte ich natürlich einen Konditor und das Genussthema war dadurch „Backwerk“, denn die Schotten sind tatsächlich im Backen besser als im Kochen, das muss man leider so sagen. Deswegen hat sich das für einen Wohlfühlroman natürlich auch angeboten und dementsprechend hat mein Romanheld Aidan diesen Beruf dann auch bekommen. Das war dann tatsächlich vom Genussthema her abgeleitet.

 

3. Nach welchen Kriterien wählst du die Schauplätze für dein Buch aus?

Ob sie als Wohlfühlorte für einen Liebesroman funktionieren. Meine Bücher sollen bei den Lesern einfach ein gutes Gefühl wecken, sie sollen sie irgendwohin entführen, wo sie sich auch hinträumen können. Ich versuche eigentlich auch, in Europa zu bleiben, weil ich finde, Europa bietet unfassbar viele Wohlfühlorte. Was für mich persönlich dann immer die große Herausforderung ist, sind die weißen Flecken auf der Landkarte. Das heißt, ich habe mir für „Die Wolkenfischerin“ zum Beispiel die Bretagne ausgesucht, und ich wusste zu dem Zeitpunkt nichts über die Bretagne, gar nichts. Und sich das dann zu erarbeiten, und dann festzustellen: Wow, das ist wirklich das französische Schottland, das war toll.

Wie recherchierst du deine Schauplätze, fährst du tatsächlich dorthin?

Ja, genau. Ich reise immer dorthin. Bei der Vorabrecherche übers Internet sammle ich mir schon möglichst viel zusammen. Ich habe so ein digitales Notizbuch, da lege ich alle Links ab, alle Quellen, alle Zeitungsberichte, alle Artikel, alle Forenbeiträge, die ich finden kann. Ich mache teilweise Umfragen auf meiner Facebook-Seite, wie zum Beispiel „Welche Orte sind in der und der Stadt besonders schön?“, „Wenn ich diese Stadt besuchen würde, wo würdet ihr mich hinschicken?“, und so weiter. So sammle ich mir ein superdickes Notizbuch zusammen, dass ich auch während des Schreibprozesses immer aufrufen kann, und nach dieser Vorbereitungszeit reise ich dann dorthin, während dieser Roman entsteht – ich schreibe pro Jahr ein Buch. Meistens also schon mit einem Vorwissen; ich habe immer den Vorteil, dass ich im Grunde genommen jemanden von einem Ort, den ich schon kenne, woanders hinschicke. Deshalb habe ich immer ein bisschen Vorlauf. Ich schreibe zuerst den Teil über den Ort, den ich schon kenne, recherchiere dann in dem entsprechenden Land und schreibe das dann.

Schreibst du dann erst wieder zu Hause oder auch vor Ort?

Sowohl als auch. Ich schreibe bei jeder Gelegenheit, habe meinen Laptop immer dabei.

 

4. In all deinen Büchern gibt es ja Rezepte. Frankreich und Italien bieten sich ja für Genussthemen an, aber Schottland war dahingegend ja vielleicht eine kleine Herausforderung, denn das verbindet man nicht automatisch mit gutem Essen. In der Danksagung zu „Glückssterne“ habe ich gelesen, dass dir einige Rezepte von Freunden verraten wurden, aber wie kommst du denn auf deine Rezeptideen zu dem jeweiligen Land?

Ich bekomme die teilweise sogar aus dem Land selbst, wenn ich dann vor Ort bin. Für die „Glückssterne“ war ich ja in den Highlands, in einem ganz süßen kleinen Guest House, das wurde betrieben von einem älteren Ehepaar. Er war Engländer und sie war Schottin. Sie war so eine ganz raue, burschikose Frau und er war so ein ganz weicher, fast schon philosophisch angehauchter Engländer. Sie war diejenige, die in der Küche gestanden und für ihre Gäste gekocht hat. Es gab Gerichte, die mir besonders gut geschmeckt haben, und nachdem ich gefragt hatte, war sie so freundlich und hat sie mir geschenkt.

 

5. Dein neues Buch, „Die Wolkenfischerin“ ist sehr persönlich. Erklärst du uns, warum?

Es gibt in der „Wolkenfischerin“ eine gehörlose Nebenfigur, und zwar die Schwester der Protagonistin. Ich bin selbst ein Kind gehörloser Eltern und deswegen war es für eine besondere Erfahrung — keine besondere Herausforderung —  sie als Figur zum Leben zu erwecken und zu schreiben. Vor allen Dingen auch zu beschreiben, wie die Kommunikation zwischen ihr und ihrer Schwester abläuft. Ja, es ist ein sehr persönliches Buch.

Ist es schwierig, so etwas Persönliches in einem Buch zu verarbeiten?

Nein, für mich nicht. Ich gebe auch nur solche Dinge preis, die ich unbesorgt anderen Menschen erzählen kann, das sind keine Informationen, die ich bei einem Gespräch im Kaffeehaus nicht genauso weitergeben würde.

 

Erzählst du uns bitte noch etwas zum Inhalt der „Wolkenfischerin“?

„Die Wolkenfischerin“ ist ein Buch, in dem eine Nebenfigur aus den „Aprikosenküssen“, meinem ersten Buch im Goldmann Verlag, eine eigene Geschichte bekommen hat. Und zwar ist das eine Französin, die in einer Berliner Zeitschriftenredaktion arbeitet, sich dort quasi hochgearbeitet hat und jetzt einen eigenen Chefredakteurinnenstuhl bei einem neuen Magazin bekommen soll. Sie ist allerdings nicht das, was sie vorgibt zu sein – sie spielt so ein bisschen mit diesem Charme der Grande Dame, erzählt, sie käme aus gutem Haus, sei in Paris groß geworden und so weiter, was aber faktisch so nicht stimmt, denn sie ist eigentlich ein armes bretonisches Fischermädchen. Dieses Image droht zu bröckeln, als sie einen Anruf von ihrer Mutter aus der Bretagne erhält, die ins Krankenhaus gekommen ist, und sie soll sich nun um ihre gehörlose Schwester kümmern, die ja ach so hilflos ist.

Was auch nicht wirklich der Fall ist, das stellt sich aber erst später heraus. Sie muss da also ein bisschen jonglieren, zumal auch noch ihr Chef aus der Redaktion in der Bretagne auftaucht.

Und wenn ihr mehr erfahren möchtet, dann kauft bitte „Die Wolkenfischerin“. 😊

Liebe Claudia, vielen Dank für das nette Gespräch!

 

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„Die Wolkenfischerin“ erhaltet ihr hier zum Beispiel hier:

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Zur Website von Claudia Winter

(Quelle Coverfotos: Goldmann Verlag)

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