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Let’s read in English: Lee Lofland, unser Autor des Monats im April

Ich habe Lee vor zwei Jahren auf der Writers‘ Police Academy kennengelernt und war von Anfang an tief beeindruckt von seinem Fachwissen. Vielen Dank für das Interview! Ich freue mich schon auf unser Wiedersehen im August.

1. Erzählen Sie uns doch bitte ein wenig über sich und Ihre Bücher.

20160426_144348Ich bin ein ehemaliger Police Detective. Seit ich lesen konnte, habe ich Bücher verschlungen. Während andere Kinder Räuber und Gendarm spielten, saß ich in meinem Zimmer und las Edgar Allan Poe. Ich hab mich gern und oft in der Bibliothek aufgehalten und ich hatte fast immer ein Buch in der Hand oder zumindest in der Nähe. Ich träumte davon, Schriftsteller zu sein, aber mir gefiel auch die Vorstellung, Ermittler zu werden, so wie die Figuren in meinen Lieblingsromanen.

Ich erfüllte mir einen dieser Träume und wurde Polizist. Meine Karriere in der Strafverfolgung begann ich als Angestellter im Gefängnis. Doch die Arbeit hinter den Zäunen, Gittern und Betonmauern füllte mich nicht wirklich aus. Daher bewarb ich mich als Sheriff Deputy und bekam den Job. Ein paar Jahre später wechselte ich zu einer städtischen Polizeibehörde. Dort war ich erst eine Weile als Streifenpolizist tätig und wurde dann zum Detective befördert.

Während meiner Dienstzeit ermittelte ich in Drogen-, Mord-, Vergewaltigungs-, Auftragsmord-, Raub- und Einbruchsfällen sowie bei rituellen und okkulten Verbrechen. Eine Weile arbeitete ich sogar im Drogendezernat als Undercover-Cop, und ich unterrichtete Verteidigungstaktiken, Waffenkunde, Überlebenstechniken für Polizisten, Befragungs- und Verhörmethoden sowie Reanimation und Erste Hilfe an einer Police Academy. Im Laufe der Jahre habe ich Aberhunderte Polizisten und andere Ausbilder angelernt.

Trotzdem brannte in mir immer noch der Wunsch, zu schreiben. Sobald ich also aus dem aktiven Dienst ausgeschieden war, tauschte ich meine Dienstmarke und die Waffe gegen Stift und Tastatur ein und widmete mich dem Schreiben eines Buchs – natürlich über Verfahrensabläufe bei der Polizei. Dabei hatte ich großes Glück, denn Writer’s Digest machte mir ein Angebot für das Buch „Police Procedure and Investigation“, ehe ich auch nur ein Wort zu Papier gebracht hatte. Sie wollten es als Teil ihrer Howdunit-Serie herausbringen.

 

2. Was war der Auslöser für das Buch „Police Procedure and Investigation“? Waren Sie genervt von all den Büchern und Fernsehserien, in denen die Polizeiarbeit völlig falsch dargestellt wird?

Genau, die krassen Fehler bezüglich Polizei, Forensik, Waffen, Ersthelfern etc. in Büchern, im Fernsehen und im Kino waren tatsächlich der Auslöser. Davor war ich regelmäßig als Redner bei Autorenkonferenzen überall in den USA aufgetreten und ich bemerkte dort einen deutlichen Mangel an korrekten Informationen über das Strafverfolgungssystem. Gleichzeitig erkannte ich den unbedingten Willen der Autoren, ihren Lesern und Fans gut recherchierte, solide Einblicke zu bieten. Natürlich sind ihre Bücher Fiktion und keine Sachbücher, doch trotzdem bestand der Wunsch nach glaubwürdigen Szenarien. Also schrieb ich das Buch. Es ist auch in Deutschland erhältlich und umfasst einige allgemeingültige, grundsätzliche Dinge, die auch auf andere Länder zutreffen. Außerdem ist es von besonderem Interesse für jeden, der sich für Strafverfolgung und Forensik in den USA interessiert. Und wie ich gehört habe, ist es wohl auch spannend.

 

3. Sie sind der Gründer und Veranstalter der Writers’ Police Academy. Können Sie uns ein wenig über diese einzigartige Veranstaltung erzählen?

Die Writers’ Police Academy (WPA) ist eine sehr beliebte praktische Ausbildungsveranstaltung für Schriftsteller, Leser und alle, die gerne mal vier Tage lang im echten Leben Räuber und Gendarm spielen möchten. Sie findet in einer realen internationalen Police Academy statt und die Workshops werden von weltweit führenden Experten abgehalten. Für Ihre deutschen Leser ist vielleicht besonders interessant, dass auch ein Landsmann darunter ist. Unser Ballistikkurs wird von Johann Boden durchgeführt, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.

Die Teilnehmer aus aller Welt erhalten während dieser Konferenz tatsächlich dieselbe Ausbildung wie Polizeischüler in den Bereichen Strafverfolgung, rettungsdienstliche Versorgung, Forensik und Brandbekämpfung. Sie fahren Polizeifahrzeuge bei simulierten Verfolgungsjagden, probieren auf dem Schießstand verschiedene Waffen aus, führen auf dem Übungsgelände Simulationen hochriskanter Hausdurchsuchungen nach „bewaffneten Verbrechern“ durch, die wiederum mit Trainingsmunition auf die „Polizisten“ schießen. Die Teilnehmer erfahren eine Menge über Ermittlungsmethoden, zum Beispiel bei Mord oder Brandstiftung, analysieren Blutspritzmuster, behandeln „Patienten“ in einer Notaufnahmekulisse, bringen Verbrecher hinter Gitter und vieles mehr. Eigentlich ist es für ein langes Wochenende viel zu viel Inhalt.

Die Autoren besuchen die Writers’ Police Academy, um ihre Geschichten realistischer darstellen zu können. Schließlich gibt es keine bessere Möglichkeit, alles über Explosionen, Brände, Schusswechsel und Verfolgungsjagden bei hoher Geschwindigkeit zu erfahren, als es selbst live zu erleben.

Am besten an der WPA ist jedoch, dass neben all den Informationen auch der Spaß nicht zu kurz kommt.

Mehr über die Veranstaltung erfährt man hier: http://www.writerspoliceacademy.com/

 

4. Auf Ihrem Blog schreiben Sie „Good cop/bad cop“-Rezensionen zur Fernsehserie „Castle“. Wie kam es dazu?

Während der ersten Staffel schrieben mir ein paar sehr bekannte Krimiautoren. Sie waren große Fans der Serie und wollten wissen, ob die Polizeiarbeit und Forensik, die sie jede Woche im Fernsehen sahen, der Realität entsprachen oder nicht. Also sah ich mir die Folgen an und dachte: „Das wäre doch ein tolles Thema für den Blog.“ Selbst nach sieben Jahren sind die Beiträge zu „Castle“ immer noch sehr beliebt.

Vor ein paar Jahren bat ich die Romantic-Suspense-Autorin Melanie Atkins um Unterstützung. Sie sollte den Beziehungsaspekt zwischen Castle und Beckett bewerten. Wir sind ein gutes Team, und die Posts werden jedes Mal Tausende Male von „Castle“-Fans auf der ganzen Welt aufgerufen. Melanie ist der gute Cop, und ich bin verantwortlich dafür, die Fehler bei Verfahren und Forensik aufzuzeigen. Dadurch decken wir den Unterhaltungsaspekt und den Weiterbildungsaspekt in den Rezensionen ab.

 

5. Wo können die deutschen Leser Sie finden und erreichen?

Ich poste jeden Tag einen Artikel auf meinem Blog, „The Graveyard Shift“ (http://www.leelofland.com/wordpress). Darin beschäftige ich mich mit den Themen Polizeiarbeit, Forensik, Medizin, Gefängnisse, Schreiben und mit einigem mehr. Häufig gibt es dort auch Gastbeiträge von Bestsellerautoren, Agenten, Tatortermittlern, Lektoren, Schauspielern, Polizisten und anderen Experten. Der Blog ist eine tolle Ergänzung zum Buch, was Verfahren in der Polizeiarbeit betrifft. Die meisten Artikel sind mit einem Augenzwinkern geschrieben.Version 2

Auch auf meiner Facebook-Seite finden Sie interessante Informationen und spannende Diskussionen über Polizeiarbeit, Brandbekämpfung und andere, verwandte Themen. Und oft entstehen auch ziemlich lebhafte Unterhaltungen zu aktuellen Ereignissen und dazu, wie und warum die Ermittlungsbehörden eingreifen und reagieren.

Lee auf Facebook: https://www.facebook.com/The-Graveyard-Shift-129311007085497/?fref=ts

Lee auf Twitter: @leelofland

 

 

 

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