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Rezension: „Die Sprache der Knochen“ von Kathy Reichs

Eigentlich ist es eine Schande, doch ich muss zugeben, „Die Sprache der Knochen“ war mein allererstes BuchCover Kathy Reichs von Kathy Reichs, dabei handelt es sich schon um den 18. Fall für Temperance Brennan. Allerdings war mir bewusst, dass die Bücher nur lose als Vorlage für die Fernsehserie „Bones – die Knochenjägerin“ dienen und auch teilweise andere Charaktere vorkommen, insofern gab es dahingehend keinerlei Enttäuschungen.

Beim Lesen stellte sich auch heraus, dass man die Vorgängerbände nicht unbedingt kennen muss, um in die Handlung einzusteigen. Wichtige bücherübergreifende Handlungsstränge werden kurz angeschnitten, sodass man gut folgen kann.

Zum Inhalt: Die forensische Anthropologin Tempe Bones erhält Besuch von Hazel Strike, einem „Websleuth“. So nennt man Leute, die im Internet Vermisstenfälle dokumentieren und versuchen, nicht identifizierte Überresten den Namen von vermissten Personen zuzuordnen. Hazel „Lucky“ Strike glaubt, dass in Tempes Institut die Überreste von Cora Teague lagern, die 2011 anonym vermisst gemeldet wurde. Ihre Familie behauptet jedoch, Cora sei lediglich mit einem Jungen davongelaufen und es gehe ihr gut. Die Knochen, auf die sich Lucky Strike bezieht, reichen jedoch für eine Identifizierung nicht aus.

Tempes Interesse ist geweckt, und gemeinsam mit dem Sheriff Deputy Zeb Ramsey nimmt sie die Ermittlungen auf. Diese führen sie zur religiösen Gemeinschaft „Jesus Lord Holiness“ und auch zu neuen Spuren. Doch dann wird jemand ermordet und plötzlich geht es nicht mehr nur um die vermisste Cora.

 Meine Meinung: Websleuths sind im Zeitalter von Fernsehserien wie CSI und Criminal Minds sicherlich inzwischen Alltag für die Strafverfolgungsbehörden. Ich mochte sehr die feine Ironie, mit der Tempe Brennan Bezug auf die Fernsehserie „Bones“ nimmt und sie als eine der möglichen Ursachen für diesen Trend zu Laienermittlungen nennt.

Der Schreibstil ist flüssig, spannend und lebhaft, nicht zuletzt dank der wunderbaren Übersetzung. Lehrbuchhaft anmutende Passagen zur forensischen Anthropologie wechseln sich mit „Action-Sequenzen“ ab, sodass der Leser niemals überfordert oder gelangweilt wird. Schmunzeln musste ich in diesem Zusammenhang auch über die Bitte Tempes an eine übereifrige Kollegin, die langatmigen wissenschaftlichen Erklärungen abzukürzen, sich auf die Ergebnisse und erst bei Nachfragen auf die Methoden zu konzentrieren. Denn genau so hat Reichs ihr Buch geschrieben. Tatsächlich hab ich auch auf wissenschaftlicher Ebene beim Lesen etwas dazugelernt.

Die Figuren sind authentisch mit Ecken und Kanten. Tempes Privatleben ergänzt den Plot, ohne zu dominieren. Gleichzeitig sind die privaten Verwicklungen so interessant, dass man auch hier wissen möchte, wie es mit Ryan, Tempes Mutter, ihrer Tochter und sogar dem rauhbeinigen Slidell weitergeht.

Sicherlich ist das Thema religiöser Fanatismus im Thriller nicht neu, aber Kathy Reichs Geschichte wirkt gut recherchiert und bietet am Ende noch einige Überraschungen. Mir hat die Auflösung des Falles am Schluss tatsächlich eine schlaflose Nacht beschert, denn ich fand sie ziemlich gruselig.

Und auch, wenn der obligatorische Alleingang der Hauptfigur dem Leser mitunter ein Augenrollen entlockt, so dominiert auch hier der feine ironische Unterton, mit dem Tempe dem Leser erklärt, wie dumm und leichtsinnig ihre Aktion ist. So sehen wir das auch.

Fazit: Alles in allem ein spannendes Buch, das mich sehr gut unterhalten hat und Lust auf viel, viel mehr macht.

 Grafik_Rezension_Indie_5_Sterne

Autorin: Kathy Reichs

Übersetzer: Klaus Berr

Originaltitel: „Speaking in Bones“

Genre: Thriller

Verlag: Blessing

Erscheinungsjahr: 2016

ISBN: 978-3-89667-454-8

 

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