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Rezension: „Wintersterne“ von Isabelle Broom

Zum Inhalt:

„Wintersterne“ ist ein Buch über drei Frauen, die in Prag aufeinander treffen. Sie haben nicht viel gemeinsam: Megan ist eine ehrgeizige, aufstrebende Fotografin, die sich nicht an ihren Kumpel Ollie binden will, der mehr als freundschaftliche Gefühle für sie hegt. Hope ist eine attraktive Mittfünfzigerin, die sich gerade frisch von ihrem Ehemann getrennt hat und jetzt mit dem neuen Freund Charlie ein romantisches Wochenende weit weg von allem verbringen möchte. Sophie ist seit zehn Jahren mit der Liebe ihres Lebens liiert und kehrt jedes Jahr mit Robin in die Stadt zurück, in der sie sich kennengelernt haben.

So weit, so gut. Die Kapitel werden jeweils aus der Perspektive einer Frau erzählt, mit Überschneidungen natürlich, da wo die Figuren gemeinsam agieren. Und verbunden wird alles mit wunderbaren Beschreibungen des winterlichen Prags.

Meine Meinung:

Ganz ehrlich — das Buch war mir ungefähr 100 Seiten zu lang. Ich persönlich mag es nicht, wenn Charaktere immer wieder dasselbe sagen und dasselbe tun, ohne anderes Ergebnis. Vieles begreift der Leser auch schon beim ersten Mal, wobei man nicht müde wird, die Beschreibungen der Stadt zu lesen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich bisher ein gespaltenes Verhältnis zu Prag hatte, denn ich hatte dort vor vielen Jahren einmal ein unangenehmes Erlebnis, und seither hat die Stadt keinen besonderen Reiz mehr auf mich ausgeübt. Doch Isabelle Bloom versteht es, Prag magisch und herrlich erscheinen zu lassen, und ich habe mir ganz fest vorgenommen, im nächsten Jahr noch einmal dorthin zu reisen. Die Stadt bekommt von mir eine zweite Chance. Ein ganz klarer Verdienst dieses Buches.

Aber auch mit den Figuren hatte ich so meine Probleme. Mit Hope bin ich überhaupt nicht warm geworden, denn ich fand sie nicht wirklich sympathisch. Auch ihre ausschließliche Identifikation als Mutter ihrer Tochter Annette ging mir persönlich zu weit, zumal es sich bei besagter Annette nicht um ein Kleinkind, sondern eine fünfundzwanzigjährige Frau mit eigenen Haushalt handelt. Hopes Verhalten war für mich überhaupt nicht nachzuvollziehen und das machte es mir schwer, mich mit ihr zu identifizieren.

Megan: Megans Geschichte war für mich die treibende Kraft des Buches, auf ihre Kapitel habe ich mich gefreut. Dennoch fand ich sie nach einer Weile sehr anstrengend und sprunghaft. Trotzdem wird die Handlung von „Wintersterne“ meiner Meinung nach zum Großteil von Megan und Ollie getragen.

Sophie: Sophies Problem ist, dass ihr Freund Robin erst später nachkommen soll, sie ist also über weite Strecken der Geschichte allein. Und das führt unweigerlich zu langen inneren Monologen in ihren Kapiteln. Auch hier gibt es viele, viele wunderbare Beschreibungen von Orten in Prag, aber Sophies Geschichte war für mich über lange Strecken des Buches die langweiligste.

Bonuspunke möchte ich jedoch für die starken Schlusskapitel vergeben, auch wenn die nicht völlig überraschend kommen. Abgesehen vom Epilog — der war mir dann wieder zu viel Hollywood.

Lobend erwähnen möchte ich auch das Cover, das mich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat.

 

Fazit:

„Wintersterne“ überzeugt mit flüssiger Sprache und wunderbaren Beschreibungen des winterlichen Prags. Man meint, beim Lesen direkt die Kälte zu spüren, die in der Stadt herrscht und hat das Gefühl, den Ort gemeinsam mit den Protagonisten zu entdecken. Die Autorin hat es verstanden, mich vom Zauber der Stadt zu überzeugen, doch ihre Figuren bleiben im Vergleich dazu blass. Der wahre Star dieses Buches ist der Schauplatz, auch wenn die Autorin dabei manchmal haarscharf an der Grenze zum Reiseführer mit romantischer Nebenhandlung vorbeischrammt.

 

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Autorin: Isabelle Bloom

Übersetzerin: Uta Rupprecht

Umfang: 449 Seiten

Verlag: Diana

Erscheinungsjahr: 2017

Mir wurde auf meinen Wunsch hin vom Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung jedoch in keiner Weise beeinflusst.

 

Über Isabelle Broom (Autorin)

Isabelle Broom, geboren 1979 in Cambridge, hat Medienwissenschaft an der University of West London studiert und arbeitet als Redakteurin und Autorin. «Wintersterne» ist ihr zweiter Roman im Diana Verlag.

Über Uta Rupprecht (Übersetzerin)

Uta Rupprecht studierte in München Germanistik und übersetzte dann einige Jahre lang Literatur aus dem Englischen. Von 1996 bis 2009 arbeitete sie als Verlagslektorin in München und Berlin. Sie lebt als Übersetzerin und freiberufliche Lektorin in München.

(Quelle: Diana Verlag)

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