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#Cockygate — Titelschutz auf Amerikanisch, oder bizarrer geht immer

Am vergangenen Freitag tauchte in amerikanischen Autorenkreisen plötzlich der Hashtag #Cockygate auf, begleitet von mäßiger Panik und großem Entsetzen. Was war passiert?

Die mir bis dato völlig unbekannte Autorin Faleena Hopkins hatte anderen Autoren im Liebesromangenre Cease-and-Desist-Letters (Unterlassungsaufforderungen) geschickt, und zwar mit überraschendem Inhalt. Hopkins schreibt eine Buchserie über die Cocker Brothers und hatte daher den unglaublich cleveren Einfall, diese Serie „The Cocky Series“ zu nennen. Aber: Immer mehr Leser beschwerten sich bei ihr, dass sie versehentlich Bücher anderer Autorinnen gekauft hätten, weil diese in böser, irreführender Absicht ihren Büchern auch Titel mit „Cocky“ gegeben hatten, so Hopkins. Daher hatte sie einen geradezu genialen Einfall: Sie hat sich bei der Federal Trademark Commission das Wort „Cocky“, das auf Deutsch so viel wie „großspurig, eingebildet, anmaßend, arrogant“ bedeutet, schützen lassen.

Aus ihrem Brief an betroffene Autoren:

„The Federal Trademark Commission has granted me the official registered trademark of the word/mark “Cocky”, no matter the font.“ (Quelle)

Und jetzt möchten doch bitte alle anderen Autoren, deren Bücher ebenfalls das Wort „Cocky“ im Titel enthalten, diese Bücher umbenennen. Hopkins schreibt auf Social Media auch gleich, das dauere allenfalls einen Tag und koste schließlich niemanden Geld.

Und jetzt lachen wir mal alle gemeinsam.

  1. Der Gedanke, sich ein in diesem Genre so häufig vorkommendes Wort schützen zu lassen, ist schon bizarr. Noch bizarrer ist nur, dass sie diesen Markenschutz auch tatsächlich erhalten hat. Zumal es in den USA keinen Titelschutz wie in Deutschland gibt und auch hier Trademarks eigentlich nicht allein aus einem häufig verwendeten Adjektiv ohne besonderen Kontext bestehen dürfen. Laut Hopkins gilt ihr Markenrecht jedoch für den Begriff „Cocky“ im Kontext Liebesroman.
  2. Hopkins hat sowohl das Einzelwort „Cocky“ als auch dessen Verwendung in der stilisierten Schriftart auf ihren Buchcovern schützen lassen. Pikantes Detail: Die Schriftart hat sie von einem britischen Entwickler gekauft, der in seinen AGBs ausdrücklich verbietet, den Font trademarken zu lassen. Ist Frau Hopkins vielleicht entgangen, aber der Entwickler hat sich inzwischen auf Twitter dazu geäußert. (Quelle)
  3. Als Grund für ihre Aktion gibt sie an, ihre Fans vor Fehlkäufen schützen zu wollen. Ob es den Fans allerdings gefallen dürfte, als so dumm hingestellt zu werden, dass sie nicht in der Lage sind, auf einem Buchcover auch den Autorennamen zu lesen, sei dahingestellt.
  4. Hopkins möchte nun, dass alle anderen Autoren ihre Bücher umbenennen. Erste Autoren haben ihrer Aufforderung schon Folge geleistet, wohl hauptsächlich, weil sie weder Zeit noch Geld für langwierige Klagen haben.
  5. Ihrer Aussage nach kostet das kaum Zeit und kein Geld. Nun ja – ein neues Cover muss erstellt werden. Hat der Coverartist gerade keine Zeit, muss das Buch bis dahin aus dem Verkauf genommen werden. Das bedeutet Einkommensverlust. Alle Taschenbücher im Besitz des Autors mit dem alten Titel sind über Nacht unverkäuflich geworden. Sämtliche Werbeartikel müssen umgestaltet werden – Lesezeichen, Anzeigen, etc. Leser, die vielleicht später nach dem Buch suchen, werden es unter dem neuen Titel womöglich nicht mehr finden, und so weiter, und so fort.
  6. Hopkins selbst sieht sich inzwischen als Opfer von Cybermobbing und versteht die Aufregung nicht. Die rührt vielleicht auch daher, dass sie keinesfalls die erste Autorin war, die das Wort „Cocky“ im Titel benutzt hat. Schon im Jahr 2015 erschien nämlich das Buch „Cocky Bastard“ von Vi Keeland und Penelope Ward, zwei deutlich bekannteren Autorinnen. Hopkins‘ erstes Buch um die Cocker Brothers hingegen stammt aus dem Jahr 2016. Vielleicht auch problematisch: Ihre klare Ansage, gerichtliche Schritte einzuleiten, sofern die Autoren ihrer Aufforderung zur Titeländerung nicht Folge leisten. Denn wie haben wir schon von unseren Müttern gelernt? Der Ton macht die Musik.
  7. Laut ihrer Amazonseite ist Faleena Hopkins übrigens gerade dabei, ihre Serie ins Deutsche übertragen zu lassen. Das wird sicherlich spannend.

Wie reagieren Autoren und Leser?

Die amerikanische Liebesautorenvereinigung Romance Writers of America sammelt gerade Fakten, um sich bezüglich ihrer betroffenen Mitglieder anwaltlich beraten zu lassen. Kevin Kneupper, Anwalt und Autor, hat bereits eine Petition zur Lösung der Trademark eingereicht. Allerdings kann es wohl bis zu 18 Monate dauern, bis in dieser Angelegenheit entschieden wird.

Und die Leser? Die kaufen fleißig alle Bücher, die nicht von Faleena Hopkins stammen und den Begriff „Cocky“ im Titel haben. So. Denn jetzt erst recht.

(Bildquelle: Ana’s Attic Book Blog)

Übrigens: Im Sommer produziert Faleena Hopkins einen Indie-Film. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Denn schließlich hat sie diesen Schritt nur zum Schutz ihrer Fans unternommen, nicht wahr?

 

Disclaimer: Dieser Beitrag enthält den aktuellen Stand der Problematik vom 07.05.2018. Alle juristischen Begrifflichkeiten entsprechen dem Originaltext und meinem Verständnis als juristischer Laie. 🙂

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2 Comments

  • Reply
    Peter Friedrich
    Mai 7, 2018 at 3:40 pm

    Die Marx-Brothers hatten mal mit Universal (?) einen Rechtsstreit über die Dialogzeile: „He went thataways!“ Sie haben gewonnen …

    • Reply
      Jeannette
      Mai 8, 2018 at 6:54 am

      Mit welcher Begründung?

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